10 x 10 gegen ALS


Die ALS-Therapieforschung in Deutschland ist unterrepräsentiert und wurde von der öffentlichen Förderung seit Jahrzehnten vernachlässigt. Um diesen Missstand zu beenden hat die "Initiative Therapieforschung ALS" - nach einer Phase von intensiven Gesprächen mit Wissenschaftlern, Ärzten und Vertretern von Verbänden- nun ein Papier vorgelegt, in dem die bisherigen Forderungen mit einem Vorschlag konkretisiert werden: ein gezieltes Forschungsprogramm der Bundesregierung.


10 x 10 – ein Forschungsprogramm gegen ALS in Deutschland

„The future has never been so hopeful.“ Der belgische Wissenschaftler Wim Robberecht zeigte sich bei seiner Eröffnungsrede eines internationalen Symposiums in Berlin zum Stand der Forschung im Bereich Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zuversichtlich. Für die Nervenkrankheit, an der allein in Deutschland jährlich etwa 1.500 Menschen sterben, sind derzeit weder die Ursachen bekannt noch gibt es Chancen auf Heilung. Wim Robberecht beschrieb die Arbeit der führenden Forschergruppen in Schweden, Italien, Großbritannien, den USA und anderen Ländern. Deutschland kam in seinem Vortrag nicht vor.

Das ist nicht verwunderlich, denn die öffentlich finanzierte ALS-Therapieforschung wird in Deutschland seit Jahrzehnten systematisch vernachlässigt. Zwar gibt es im Bereich Neurobiologie bestens ausgestattete Institute und hervorragende Wissenschaftler, darunter auch ALS-Experten. Deren Projekte werden jedoch meist abgelehnt oder sind hoffnungslos unterfinanziert. Eine Themensuche mit dem Suchbegriff „Amyotrophe Lateralsklerose“ im Förderkatalog des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMBF) ergibt keine Treffer. Die ALS-Therapieforschung erscheint in der Förderpolitik des BMBF so gut wie gar nicht:

  • In den letzten Jahren wurden vom BMBF eine Reihe von „Kompetenznetzwerken“ gefördert, die die Therapieforschung im Bereich der Krankheiten wie Alzheimer, MS, Depressionen und andere verbessern sollen. Obwohl vielfach gefordert, gibt es kein Kompetenznetzwerk ALS.
  • Im Frühjahr 2009 wurde auf Initiative der Bundesregierung das „Zentrum für neurodegenerative Krankheiten“ gegründet. Die neurodegenerative Krankheit ALS ist auch in diesem Zentrum kein Thema.
  • Das BMBF fördert zwar seit 2007 verschiedene Projekte im Bereich der „seltenen Erkrankungen“, zu denen nach den Kriterien der WHO auch die ALS zählt. Doch auch in diesem Zusammenhang bezieht sich kein Projekt auf die Amyotrophe Lateralsklerose.


Dieser Zustand ist angesichts der Schwere der Krankheit und der hohen Opferzahl nicht akzeptabel. Im Sommer 2009 hat sich deshalb die „Initiative Therapieforschung ALS“ gebildet und in den folgenden Monaten eine Reihe von Gesprächen mit führenden ALS-Forscherinnen und -Forschern geführt. Dabei haben sich folgende Punkte herauskristallisiert:

  •  In den letzten Jahren haben neue Erkenntnisse der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und neue neurobiologische Instrumentarien die Voraussetzungen für einen Durchbruch in der ALS-Therapieforschung geschaffen. Es bedarf weiterer Forschungsanstrengungen und klinischer Studien für die Übersetzung dieser Erkenntnisse in eine wirksame Therapie gegen ALS.
  • Der ALS-Forschung in Deutschland mangelt es an ausreichender Finanzierung und übergreifender Koordination.
    Da die Pharmaindustrie an der ALS-Therapieforschung nur geringes Interesse zeigt, die erforderlichen Mittel aber durch private Förderer wie zum Beispiel Stiftungen nicht aufgebracht werden können, kann nur eine gezielte Initiative der Bundesregierung die bestehende Misere beenden.


Wir fordern daher von der Bundesregierung:

  • 10 x 10 gegen ALS: die Verabschiedung eines Förderprogramms für die ALS-Therapieforschung mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Fördervolumen von mindestens 10 Millionen Euro jährlich.
  • Die Einrichtung und Finanzierung einer Koordinierungsstelle, die die internationale Entwicklung der Forschung kontinuierlich beobachtet, auf dieser Grundlage Gelder für Forschungsprojekte und klinische Studien auch in Deutschland bereitstellt und internationale Kooperationen und die Zusammenarbeit mit Privatfirmen einbezieht.