Grundlagenforschung - neue Teile für das Puzzle

Nach wie vor sind sowohl die Ursachen wie auch die kausalen Abläufe der Krankheit ALS unverstanden. Fest steht, dass es sich um eine komplexe systemische Erkrankung handelt. Das bedeutet, dass die Erkrankung nicht einer bestimmten Stelle im Körper zugeordnet werden kann und dass verschiedene Zelltypen beteiligt sind. Lange Zeit konzentrierte sich die Forschung auf die Motorneuronzellen, aktuell sehen viele Forscher als Ausgangspunkt eher die Verbindungsstellen zwischen Nervenstrang und Muskeln. Immun- und Entzündungsprozesse gehören zu den Begleiterscheinungen der Krankheit, auch eine Virusinfektion wird diskutiert. Genveränderungen spielen eine Rolle, aber wohl nicht als einzige Ursache.  Einfach ausgedrückt: die bisherigen Forschungen haben sehr viele Unterschiede in den zellulären Prozessen von ALS-Patienten im Vergleich zu gesunden Menschen herausgefunden. Forscher sprechen von einer "neurotoxischen Kaskade". Unklar ist aber nach wie vor der Ursache-Wirkung Zusammenhang zwischen diesen Abweichungen. Um einen effektiven Ansatz für eine Therapie zu finden ist diese Klärung aber entscheidend. Zur Veranschaulichung: wenn ein Auto eine Beule im Kotflügel hat und infolgedessen das Blech am Reifen schleift, wird der Reifen irgendwann platzen und es kommt zum Unfall. In diesem Fall nützt es nichts, den Reifen zu wechseln ohne den Blechschaden zu beseitigen. Bei der ALS-Forschung sprechen viele Wissenschaftler von einem Puzzle, bei dem schon viele Teile gefunden sind, das Gesamtbild aber noch nicht zu erkennen ist.

Für eine Therapie, die den Krankheitsverlauf bei ALS verzögert oder stoppt, ist es aber nicht unbedingt erforderlich, die Ursache und den Verlauf genau zu kennen. Viele Forschungsansätze zielen darauf ab, die betroffenen Nervenzellen vor den schädlichen Einflüssen, die im Verlauf einer ALS-Erkrankung auftreten, zu schützen. ("Neuroprotektion“). In diesem Bereich sind auch kurzfristige Erfolge möglich.