ALS-Symposium in Dublin

Das jährliche " Klassentreffen"  der ALS - Forschung findet dieses Jahr in Irland statt. Traditionell begann es auch dieses Jahr wieder mit der "Ask the Expert" Session, bei der sich Betroffene von namhaften Wissenschaftlern über den Stand der Forschung informieren können. Per Video auch hier :

http://asktheexpert.webcastlive.co.uk/

kurze Zusammenfassung der Experten - Fragestunde in Dublin zum Stand der ALS - Forschung

- es bleibt dabei : in der ALS-Forschung gibt es Fortschritte, aber kein Durchbruch in Bezug auf eine Therapie

- Die gute Nachricht ist : es sind etwa dreißig Medikamente in klinischer Prüfung, so viele wie nie zuvor. Aber keines von denen verspricht eine Heilung der Amyotrophen Lateralsklerose. Die Hoffnung besteht aber, dass mehrere dieser Substanzen den Fortschritt der Erkrankung verlangsamen. Wenn sich diese zu einem Cocktail kombinieren lassen und sich in ihrer Wirkung addieren würden, könnte das in überschaubarer Zeit zu einer spürbaren Veränderung in Richtung Behandelbarkeit der ALS führen.

- auch im Bereich Stammzellen gibt es keine wesentlichen Neuigkeiten. Dr. Jonathan Glass, selber am Neuralstem - Projekt beteiligt, kritisierte die Pressemitteilungen der Pharmakonzerne als zu optimistisch. Es gäbe nach wissenschaftlichen Kriterien keine Hinweise auf eine Wirksamkeit der Verfahren. Dazu sei die Zahl der behandelten Patienten bisher zu gering. Eindringlich warnte Glass vor allen kommerziellen Anbietern von Stammzellen - Therapien.

- Jan Veldink aus den Niederlanden stellte das Projekt MinE vor, bei dem die Gene von 22.500 ALS - Patienten vollständig entschlüsselt werden soll. Die Datenbank mit den Ergebnissen wird der Forschung kostenfrei zur Verfügung gestellt.

- auf die Frage einer Zuschauerin nach dem größten Hindernis auf dem Weg zu einer ALS - Therapie lautete die erste Antwort: Dass wir die Ursache nicht kennen. Die zweite: zu wenig Geld.

ALS-Tag Berlin 2016

Der aktuelle Vortrag von Prof Meyer (Charité)  zum Stand der Forschung und klinischer Studien. Wie immer hochinteressant.

Neues Stop!ALS-Förderpaket für Hannover

Seit einigen Jahren können Haut- oder Blutzellen zu Stammzellen und dann zu Motoneuronzellen umgezüchtet werden. Für die Forschung ist das ein sehr nützliches Werkzeug, weil damit bestimmte Mechanismen einer Krankheit im Reagenzglas studiert werden können. Eine Gruppe um Prof. Susanne Petri an der MH Hannover nutzt dies in Kooperation mit der Universitätsklinik Dresden für die ALS-Forschung – ein Projekt, dass auch von unserer Initiative mit zwei Förderpaketen in Höhe von insgesamt € 30.000 unterstützt wurde. Erste Ergebnisse dieser Arbeit wurden kürzlich in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „StemCell“ publiziert. Im Zentrum der Untersuchung steht die Substanz 4-Aminopyridine, die in den USA als Medikament gegen MS zugelassen ist. Die Wissenschaftler um Hauptautor Max Naujocks  konnten einen positiven Effekt der Substanz gegen bestimmte Mechanismen der ALS in den Zellkulturen nachweisen. Im nächsten Schritt soll nun überprüft werden, ob dieser Effekt auch im Tierversuch beobachtet werden kann. Dies wäre die Voraussetzung für eine Erprobung des Medikaments an ALS-Patienten im Rahmen einer klinischen Studie.
Damit diese Arbeiten zügig durchgeführt werden können, hat unsere Initiative ein neues StopALS!Förderpaket in Höhe von € 7.500 auf den Weg gebracht. Einen Dank an alle Spenderinnen und Spender der letzten Monate, die dies möglich gemacht haben.

Masitinib-Studie: positive Zwischenergebnisse

Das französische Pharmaunternehmen AB Science hat in einer Pressemitteilung Zwischenergebnisse der laufenden Phase 2/3 Studie des Medikaments Masitinib gegen ALS bekanntgegeben. Danach haben 191 Patienten die 48 Wochen dauernde Behandlungsphase abgeschlossen. Die Analyse der vorliegenden Daten habe ergeben, dass der Krankheitsverlauf bei den mit dem Medikament behandelten Patienten im Vergleich zur Placebogruppe statistisch signifikant verringert habe. Sollte sich dieser Trend bestätigen, wäre dies die erste erfolgreiche ALS – Medikamentenstudie seit der Rilutek - Zulassung in den 90er Jahren. Unabhängige Experten warnen allerdings vor voreiligen Schlussfolgerungen. Das Unternehmen hat angekündigt, Gespräche mit den Zulassungsbehörden in den USA und in Europa zu führen.

Pressemeldung AB Science (PDF)

Stellungnahme von Rob Goldstein (ALSTDI)

Kupfer-Therapie gegen Amyotrophe Lateralsklerose?

Seit etwa 20 Jahren nutzt die ALS-Forschung transgene Mäuse, denen eine Genmutation "eingepflanzt" wird, die bei Menschen eine aggressive Form der ALS verursacht (SOD1 G93A). Auch diese Mäuse entwickeln ALS-artige Symptome und sterben daran - und zwar nach einem vorhersehbarem Zeitablauf. Hunderte von Präparaten wurden an diesen Tieren getestet, aber mehr als eine Lebenszeitverlängerung von 10% wurde dabei nicht erreicht.  Die ALS-Organisation PrizeForLife hat sogar einen Preis ausgeschrieben: 1 Mio $ für die Forschergruppe, die eine Lebenszeitverlängerung von 25% erreicht.

Laut einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Neurobiology of Disease" hat eine Gruppe um  Joseph Beckmann von der Oregon University in den USA dieses Ziel erreicht. Sie behandelten die Mäuse mit einer Substanz namens CuATSM. Sie erhöht den Kupferspiegel in den Nervenzellen und wird normalerweise als Kontrastmittel bei PET-Scans eingesetzt.

Ob sich die offensichtliche Schutzwirkung des Kupfers auch bei Menschen bestätigen wird, ist natürlich höchst fraglich.  Trotzdem bezeichnete die Chef-Wissenschaftlerin der ALS-Association Lucie Bruijn die Ergebnisse als "sehr faszinierend und sehr ermutigend". Gleichzeitig sprach sie eine Warnung aus: ALS-Patienten sollten nicht versuchen, den gleichen Effekt mit kupferhaltigen Nahrungsergänzungmitteln zu erzielen.  Diese würden von der Blut-Hirn-Schranke abgeblockt und somit nur den Kupferspiegel im Blut und nicht in den Nervenzellen erhöhen, was mehr schaden als nutzen würde. Sie kündigte an, dass die ALS-Association weitergehende Forschung zu dem Thema finanzieren werde.

Laut einer Stellungnahme von Joe Beckmann (s. U.)  hat eine US-australische Firma namens Procypra bereits die Lizenzen zum Vertrieb von CuATSM zur Behandlung von ALS erworben. ereits im April soll in Australien eine erste klinische Studie zur Sicherheit und Verträglichkeit von CuATSM beginnen.  In die Studie sollen auch Patienten ohne SOD1-Mutation einbezogen werden.  Diese Frage ist relevant, weil unter Wissenschaftlern umstritten ist, ob die Methode auch bei sporadischen ALS Formen Aussicht auf Erfolg hat.

Stellungnahme von Joe Beckmann zum Thema

Artikel in deutscher Sprache

Erläuterungen von Rob Goldstein,  ALSTD

 

http://www.alzforum.org/news/research-news/copper-rescue-als-mice

ALS-Medikament in Japan zugelassen

Das Medikament Radicut wurde in Japan für die Behandlung von ALS zugelassen. Zuvor wurde in Studien eine - allerdings sehr geringe - Verzögerung im Krankheitsverlauf bei den mit Radicut-Infusionen behandelten Patienten nachgewiesen. Ob und in welchem Zeitraum eine Zulassung in Europa angestrebt wird wurde bisher nicht bekannt.

http://www.alstdi.org/news/Radicut-Approved-for-ALS-in-Japan/

GM 6: Kein Antrag auf Zulassung

Ein neuerlicher Artikel in der Washington Post brachte es ans Licht: entgegen einer allgemeinen Annahme hat die Firma Genervon bisher keinen formellen Antrag auf Zulassung des Medikamentes GM 6 gestellt. Damit gerät die Öffentlichkeitsarbeit Genervons immer stärker ins Zwielicht. In ihren Verlautbarungen hatte die Firma zumindest den Eindruck eines bereits erfolgten Antrags geweckt und entsprechende Verlautbarungen aus der in den USA sehr erfolgreichen Kampagne nicht korrigiert. Jetzt wurde bestätigt, dass das Treffen mit der FDA im Februar (s.u.) lediglich einem informellen Informationsaustausch über die Chancen einer vorläufigen Zulassung diente.

Damit ist endgültig geklärt, dass die unter ALS-Betroffenen kursierende Hoffnung auf eine kurzfristige Verfügbarkeit von GM 6 nicht erfüllt werden.

Zahlreiche Wissenschaftler und andere Experten aus dem ALS-Bereich hatten in den letzten Wochen vor überzogenen Erwartungen an GM 6 gewarnt. So hat Steve Perrin, der CEO des ALS-Forschungsinstitutes ALSTDI in einem ausführlichen Blogbeitrag erklärt, weshalb er die Ergebnisse der GM 6 – Studie für eine Wirksamkeit nicht aussagekräftig hält.

Blog Steve Perrin: http://www.translateals.com/?p=16

Artikel Washington Post: http://www.washingtonpost.com/news/to-your-health/wp/2015/04/21/maker-of-controversial-als-drug-hasnt-filed-formal-application-for-fda-approval/?postshare=1481429783588689

 

Genervon GM6

Die lang erwartete Erklärung der FDA ist da. Keine Entscheidung über eine vorläufige Zulassung, sondern lediglich eine Aufforderung an die Herstellerfirma Genervon, weitere Daten über die erfolgte klinische Studie zu veröffentlichen.


http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm443242.htm

TBK1: neues ALS-Gen, neue Zusammenhänge

Ein internationales Team unter maßgeblicher Beteiligung von Forscherinnen und Forschern des ALS-Forschungszentrums Ulm hat eine wichtige Arbeit zur ALS-Grundlagenforschung vorgelegt, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“ veröffentlicht wurde. Die Erkenntnisse liefern zwar keine direkten Hinweise auf Therapieansätze, finden aber in der Fachwelt dennoch ein starkes Echo wegen wichtiger Hinweise auf genetische Ursache und molekulare Zusammenhänge bei der ALS.

Artikel in Nature Neuroscience: http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/full/nn.4000.html

Stellungnahme der englischen ALS-Organisation MNDA: https://mndresearch.wordpress.com/2015/03/25/the-tbk1-jigsaw-puzzle/

Artikel im Online-Magazin Alzforum:  http://www.alzforum.org/news/research-news/second-study-salutes-tank-binding-kinase-1-als-gene

Newron startet Phase 2 Studie

An 18 Patienten in Belgien und den Niederlanden wird eine neuartige Therapie gegen Amyotrophe Lateralsklerose mit dem Medikament snn0029 getestet. Die Substanz wird über einen Hirnkatheter und eine implantierte Pumpe verabreicht.

weitere Informationen:

http://www.nzz.ch/wirtschaft/newsticker/newron-startet-phase-ii-studie-mit-produktkandidaten-snn0029-1.18462046

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2015-01/32537431-newron-startet-phase-ii-studie-mit-snn0029-in-patienten-mit-amyotrophischer-lateralsklerose-353.htm

GM 6: Studie oder vorläufige Zulassung?

Neue Entwicklung in der Diskussion um Genervon GM 6: Die ALS-Association, größte ALS-Organisation weltweit, hat der Firma Genervon nahegelegt, sich um die Finanzierung einer erweiterten Phase 2 Studie zu bewerben. Die ALSA ist üppig mit Icebucket-Spendengeldern ausgestattet und könnte die Finanzierung einer derartigen Studie finanzieren. Allerdings distanziert sie sich damit indirekt von der Forderung nach einer sofortigen vorläufigen Zulassung. Nicholas Grillo, der Urheber der Resolution, hat die Stellungnahme der ALSA heftig kritisiert und zu Protest-Mails aufgerufen. Die Zahl der Unterzeichner der Petition ist unterdessen auf über 76.000 angestiegen!

 

Stop!ALS-Förderpakete an vier Projekte der ALS-Forschung

Die Entscheidungen sind gefallen: vier Förderpakete mit einem Gesamtwert von 95.000€ gehen an Projekte in Aachen, Jena, Ulm und Hannover/Dresden. Das Geld stammt zum größten Teil aus Spenden im Rahmen der Icebucket-Challenge.

Die ausgewählten Projekte repräsentieren ein breites Spektrum moderner ALS-Forschung: molekulare Grundlagen (Aachen), Stammzellen als Modellsystem (Hannover/Dresden), klinische Forschung (Jena) und reine Theoriearbeit (Ulm). Wir sind sehr froh, dass mit den für Forschungsverhältnisse relativ geringen Beträgen dazu beigetragen werden kann, derartig hochklassige Projekte auf den Weg zu bringen.

Wir werden alle Projekte in den nächsten Wochen vorstellen. Hier zunächst eine Übersicht:

Förderpaket 1

Projekt: Sigma-1-Rezeptor-Pathologie der ALS

Antragsteller: Prof. Joachim Weis und Dr. Anand Goswami, Universitätsklinik Aachen

Thema: Hat das Protein „Sigma 1 Rezeptor“ eine schützende Wirkung in den Motoneuronzellen von ALS-Patienten?

Förderpaket: 20.000 € Anschubfinanzierung für Personalkosten

Förderpaket 2

Projekt: Proteinfehlfaltung und NF-κB bei Amyotropher Lateralsklerose

Antragsteller: Dr. T. Prell & Dr. J. Grosskreutz, Universitätsklinikum Jena

Thema: Bei manchen Patienten verläuft die Krankheit schleichend, bei anderen sehr aggressiv. Was unterscheidet diese beiden Typen auf der Ebene der Zellen? Welche Rolle spielt das Protein NF-kb und der sog. ER-Stress?

Förderpaket: 10.000€ für Verbrauchsmaterial und Transportkosten

Förderpaket 3

Projekt: Funktionelle Analyse von patientenspezifischen induzierbaren pluripotenten Stammzellen als humanes in vitro Modell der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS)

Antragsteller: Prof.  Susanne Petri,  Dr. Florian Wegner (Medizinische Hochschule Hannover), Dr. Andreas Hermann (Klinik für Neurologie Dresden)

Thema: Seit einigen Jahren ist es möglich, sog. Induzierte pluripotente Stammzellen aus Hautzellen zu züchten. Um dies für die ALS-Forschung zu nutzen werden Gewebeproben von ALS-Patienten genommen und daraus Nervenzellen gewonnen. Mit diesen können bestimmte Mechanismen der ALS im Reagenzglas untersucht werden.

Förderpaket: 20.000 € für Verbrauchsmaterialien (Antikörper und Reagenzien)

Förderpaket 4

Projekt: Serum-Lipidkonzentrationen und Prognose der Amyotrophen Lateralsklerose: Systematisches Review und Metaanalyse der Daten aus Beobachtungsstudien

Antragsteller:  Prof. Gabriele Nagel, Prof. Dietrich Rothenbacher (Institut für Epidemiologie der Universität Ulm),  Prof. Albert C. Ludolph (Universitätsklinik Ulm)

Thema: Viele Beobachtungen und Studien deuten auf eine Beteiligung des Fettstoffwechsels beim Krankheitsverlauf der ALS. Die genauen Zusammenhänge sind aber nach wie vor unklar. Mit einer Metastudie sollen bisherige Studien zu dem Thema systematisch aufgearbeitet werden. Angestrebt werden neue Erkenntnisse über die Grundstrukturen der Erkrankung, aber auch Ernährungsempfehlungen für Patienten.

Förderpaket: 45.000 € Personalkosten für Personalkosten

ALS-Kongress in Brüssel

Das wichtigste Treffen der ALS-Forschung ist der jährliche Kongress der britischen MND-Association, der an diesem Wochenende in Brüssel stattfindet. Spektakuläre Neuigkeiten für Patienten sind zwar nicht zu erwarten. Einen Einblick in wichtige Themen vermittelt aber der Blog http://mndresearch.wordpress.com/category/symposium/brussels-reporting/ oder der Hashtag #alssymp auf Twitter (in englischer Sprache).

 

Ice Bucket Challenge: ALSTDI zieht Studie vor

Der erste sichtbare Erfolg der #icebucketchallenge für die Therapieforschung: das US-amerikanische Forschungsinstitut ALSTDI beginnt eine klinische Studie mit einem ALS-Medikament Anfang 2015 - 2 Jahre früher als geplant. Möglich wurde dies durch die 3Mio.$, die durch die IBC zusätzlich eingenommen wurden.

http://boston.cbslocal.com/2014/08/27/ice-bucket-challenge-expedites-cambridge-institutes-als-drug-trial/

GO-Bio: Regensburger Wissenschaftler erhält 4 Millionen Forschungsförderung für die Entwicklung eines ALS-Medikamentes

Professor Dr. Ulrich Bogdahn, Neurologe an der Universität Regensburg, hat sich mit einem ALS-Projekt beim GO-Bio Wettbewerb des Bundesministerium für Forschung und Technologie durchgesetzt. Gefördert wird der gesamte Prozess der Medikamentenentwicklung einschließlich der klinischen Studien. Dafür steht ein Gesamtbudget von knapp 4 Millionen Euro zur Verfügung. Der wissenschaftlich Ansatz des Projektes geht auf jahrelange Forschung des Teams um Professor Bogdahn zurück: mit einem sogenannten Antisense-Wirkstoff (Blockade des TGFß-Signalweg) soll die Neubildung von Nervenzellen reaktiviert und so der Krankheitsverlauf verzögert oder gar gestoppt werden.

Diese Art der Komplettförderung eines Medikaments ist sehr ungewöhnlich. Sie hat einen großen Vorteil: im Fall des Erfolgs der präklinischen Forschung muss nicht wie sonst üblich in einem oft jahrelang dauernden Verfahren die Finanzierung einer klinischen Studie gesichert werden. Gleichzeitig muss aber beachtet werden, dass beim gegenwärtigen Stand der Grundlagenforschung mit ihren vielen Fragezeichen beim ALS-Krankheitsmechanismus jeder Ansatz hoch spekulativ ist.

Nichtsdestotrotz ist diese Entscheidung natürlich sehr erfreulich und wir wünschen Prof. Bogdahn und seinem Team viel Erfolg bei diesem Projekt.

Weitere Informationen:

http://www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/root,did=172118.html

http://www.wochenblatt.de/bildung/regensburg/uni-klinikum/Therapieansatz-bei-neurodegenerativen-Erkrankungen;art13030,240715

 

 

Klumpen kommen durch das Kabel

Weltweit beachtete Forschungsarbeit: Ulmer Forscher identifizieren einen Ausbreitungsmechanismus bei Amyotropher Lateralsklerose

Was genau läuft schief in den Motorneuronzellen von Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose? An dieser Frage arbeiten weltweit Dutzende von Forschergruppen. Wissenschaftler vom ALS-Forschungszentrum in Ulm gemeinsam mit Kollegen aus den USA haben in einer international stark beachteten Arbeit die Beantwortung ein Stück näher gebracht. Im Fokus der Arbeit: ein Protein namens TDP 43, dessen Rolle bei der Nervenschädigung schon seit einigen Jahren die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich zieht.

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Vitamin D bei ALS – langfristig positiv

(Übernahme aus dem Forum der DGM)

Jüngste Studien haben gezeigt, dass Vitamin D auch bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielt, bei ALS, Parkinson, Demenz aber vor allem wohl bei MS. Da viele Patienten mit ALS einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben (allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dies auch in der gesunden Bevölkerung durchaus verbreitet ist), erfolgt bei dem einen oder anderen eine Substitution. Da diese Untersuchung allerdings nicht zum Standard gehört, dürften eine Reihe von Patienten von einer möglichen Unterversorgung gar nichts wissen.

Eine der wohl bekanntesten Kliniken in der Behandlung der ALS weltweit (die Mayo-Klinik in den USA) führte jetzt eine Studie an 37 Patienten mit ALS durch. Bei den Teilnehmern wurde verglichen, ob die Einnahme von Vitamin D in unterschiedlichen Dosen verglichen mit einer Placebogruppe Unterschiede im Progressionsverlauf ermittelt durch den ALSFRS zeigte.
Im Ergebnis war feststellbar, dass keine Unterschiede nach 3 bzw. 6 Monaten zur Vergleichsgruppe vorlagen. Allerdings nach 9 Monaten. Hier führte die nebenwirkungsfreie Supplementation von 2000IU täglich zu einer signifikanten Verlangsamung der Progression.
Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Einnahme von Vitamin D positive Effekte auf den ALS-Verlauf haben könnte. Weitere Studien sind nötig, um zu evaluieren, ob dies bei allen ALS-Patienten der Fall ist.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23815870

Hier eine Studie aus April 2013, die eine Rolle von Vitamin D in der Pathogenese der ALS bestätigt.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23570271

Und hier eine Studie zur Rolle von Vitamin D im gesunden und kranken Nervensystem, ebenfalls aus April 2013.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23336971

Bindeglied zwischen RNA Metabolismus und oxidativem Stress entschlüsselt

Ein in Wissenschaftskreisen viel beachteter Artikel mit großer Relevanz für die ALS-Forschung erschien am 10. März in der Onlineversion des Wissenschaftsmagazins Nature. Eine internationale Gruppe unter der Führung von Wissenschaftlern aus dem Wiener Institut IMBA untersuchte die Funktion eines Proteins mit der Bezeichnung CLP1, dass bisher in der ALS-Forschung keine große Rolle gespielt hat. Unter anderem wurde festgestellt, das in Mäusen, bei denen dieses Protein deaktiviert wurde, die Motorneuronzellen extrem empfindlich für oxidativen Stress wurden. Das oxidativer Stress eine Rolle bei der ALS spielt, wird seit langem vermutet. Auch der RNA Metabolismus, bei dem das Protein CLP1 involviert ist, steht mehr und mehr im Fokus der ALS-Grundlagenforschung. Die Zusammenhänge zwischen diesen beiden Bereichen waren jedoch bisher unklar. Die Forscher gehen davon aus, hier ein Bindeglied zwischen diesen biologischen Systemen und damit einen möglichen Auslöser für die ALS und eventuelle andere neurodegenerative Erkrankungen gefunden zu haben.

Brian Dickie von der britischen ALS-Patientenorganisationen MNDA zitiert einen langjährigen ALS-Forscher mit der Aussage, dies sei eines der wichtigsten Artikel der letzten zehn Jahre.

http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature11923.html

http://www.sciencedaily.com/releases/2013/03/130310163827.htm

http://mndresearch.wordpress.com/2013/03/22/major-new-research-finding-raises-some-old-questions-2/

Stiftungsprofessur für ALS-Grundlagenforschung an der Charité

Die von dem ALS-Patienten Matjas Derek angeschobene Initiative" Hilfe für ALS-kranke Menschen" trägt weiter Früchte. Im nächsten Jahr beginnt die Vorbereitungen für eine 5 jährige Stiftungsprofessur für ALS-Grundlagenforschung. Möglich wurde dies durch eine Stiftung des Unternehmers Dr. Martin Herrenknecht. Näheres dazu auf der Internetseite der ALS-Ambulanz der Berliner Charité.

Die geplante Stiftungprofessur wäre bereits die zweite privat finanzierte Professur für ALS-Forschung neben der bereits bestehenden an der Universität Ulm, die von der Charkot-Stiftung ermöglicht wurde.

Neues Forschungsprojekt als Kooperation von DZNE und Universität Tübingen

Unter der Leitung von Professor Manuela Neumann wird an der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen ein Projekt der ALS-Grundlagenforschung gestartet. Ziel der Forschungsarbeit ist ein tieferes Verständnis der zellulären Mechanismus im Krankheitsverlauf, speziell die Interaktionen der Proteine TDP-43 und FUS. Relativ ungewöhnlich für die ALS-Forschung ist, dass auch Gehirne verstorbener ALS-Patienten untersucht werden.

Nähere Informationen:http://www.idw-online.de/pages/de/news483756

ALS-Forschung in Deutschland

Die Datenbank der deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) weist aktuell nur ein einziges Projekt auf, dias ALS zum Thema hat. Die Charcot-Stiftung hat ihren Sitz an der Ulmer Universität. Sie wurde von dem Arzt und ALS-Patienten Dr. C. Hager und und dem Ulmer Professor Dr. A.C. Ludolph gegründet. Aus den Mitteln der Stiftung soll eine W3-Stiftungsprofessur mit dem Schwerpunkt ALS-Forschung finanziert werden.

An der ALS-Ambulanz der Berliner Charité laufen Forschungsprojekte, die sich mit der ambulanten medizinischen Versorgung von ALS-Patienten sowie dem Einsatz von Zwerchfellschrittmachern auseinandersetzen. Klinische Studien zu verschiedenen Medikamenten werden von allen deutschen ALS-Zentren durchgeführt.

ALSTDI - Forschung Open Source

Mit 30 Wissenschaftlern und einem Jahresetat von 12 Millionen $ ist ALSTDI weltweit das größte Forschungsinstitut, das ausschließlich der ALS-Therapieforschung gewidmet ist. Es wurde 1999 gegründet und ist im US-Bundesstaat Massachusetts angesiedelt. ALSTDI ist eine gemeinnützige Organisation, die sich aus Spenden finanziert.

Im Gegensatz zu anderen Instituten verfolgt ALSTDI eine Politik der größtmöglichen Transparenz. Alle Forschungsergebnisse sowie die laufenden Projekte werden im Internet präsentiert. Das ALSTDI-Forum ist wohl die wichtigste offene Informations-und Diskussionsplattform für ALS-Therapieforschung überhaupt. Regelmäßig werden Web-Seminare angeboten, in denen ausführlich über die Arbeit des Instituts und die weltweiten Entwicklung in der ALS-Forschung berichtet wird. Die Transparenz hat dort ihre Grenzen, wo eine zu konkrete Veröffentlichung der Forschungsergebnisse einer möglichst schnellen Verwertung im Wege steht. Dies wurde im Frühjahr 2009 deutlich, als bekannt wurde, dass im Institut ein Protein mit einem außerordentlichen Potenzial identifiziert wurde. Nach ausführlichen Labor-und Tierversuchen waren sich die Wissenschaftler sicher, dass diese Substanz eine deutliche Verzögerung des ALS-Krankheitsverlaufs bewirken kann. Dieser große Erfolg nach 10 Jahren Forschung markierte aber gleichzeitig eine Grenze: die anstehende Produktion des Proteins sowie die Vorbereitung und Durchführung klinischer Studien sprengen die Kapazität des Instituts. Seitdem wird ein Partner in der Pharmaindustrie gesucht - bis heute ohne Erfolg. Den profitorientierten Unternehmen ist der Markt der ALS-Patienten zu klein. Die Verhandlungen dauern an, bis zu einem Abschluss werden die Details über die Substanz geheim gehalten, um einem möglichen Partner die Exklusivität garantieren zu können. ALSTDI hat angekündigt, auf der internationalen ALS-Konferenz im Dezember in Berlin einen ausführlichen Bericht über die Forschungsergebnisse des letzten Jahres abzuliefern.

Aktuelle Klinische Studien

Weltweit laufen derzeit eine Reihe von klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Medikamenten bei ALS ermitteln sollen. Bei keinem dieser Medikamente wird eine Heilung in dem Sinne erwartet, dass sich bereits aufgetretene Lähmungen zurück entwickeln. Die Hoffnung liegt darauf, mit ihnen den Krankheitsverlauf deutlich zu verzögern.

Die Teilnahme an einer Studie ist für ALS-Patienten eine Möglichkeit, frühzeitig von einem neu entwickelten Medikament zu profitieren. Natürlich ist die Einnahme eines wenig erprobten Medikamentes immer ein Risiko. Außerdem haben sich Studienteilnehmer häufigen Untersuchungen zu unterziehen - in der Regel alle 4-6 Wochen. Das ist natürlich für Patienten, bei denen die Krankheit schon fortgeschritten ist und die nicht in unmittelbarer Nähe eines ALS-Zentrums wohnen, eine erhebliche Belastung.

Eine ständig aktualisierte Übersicht der Studie mit ALS-Bezug findet sich auf der Website des amerikanischen Forschungsinstitut ALSTDI: http://als.net/OurResearch/ClinicalTrials.aspx

Infos zu aktuellen Studien in Deutschland gibt es auf der Seite der ALS-Ambulanz der Charité Berlin.

Gentherapie

Es klingt mehr nach Horrorfilm als nach Heilung: Viren werden gentechnologisch verändert, in den Körper injiziert, damit sie dort in den Kern jeder einzelnen Zelle eindringen und den "Bauplan des Lebens" gezielt verändern. Mit dieser rabiaten Methode sollen von Genmutation verursachte Krankheiten geheilt werden. Vor etwa 10 Jahren war die Gentherapie eines der Top-Themen in der medizinischen Forschung - ähnlich wie heute die Stammzellentherapien. Als jedoch in klinischen Studien einzelne Patienten plötzlich starben, wurde es für lange Zeit in diesem Themenbereich sehr still. Allerdings gehen aktuell viele Wissenschaftler davon aus, dass in naher Zukunft neuartige Formen der Gentherapie gegen eine Reihe von Krankheiten erprobt werden können.

Auch was ALS angeht, werden Gentherapien im Labor erprobt. Die Firma Isis hat ein Medikament gegen ALS entwickelt, dass nicht die DNA verändert, aber die Wirkungsweise der RNA in der Zelle verändert, so dass die Wirkung eines mutierten Gens unterdrückt wird. Nach Angaben der Herstellerfirma soll dieses Medikament in Kürze im Rahmen einer klinischen Studie getestet werden.Die Firma CytRx  verfolgt ein ähnliches Konzept.

Andere Ansätze nutzen Gentherapie, um körpereigene Zellen zu "Fabriken" von Wachstumshormonen umzuprogrammieren. Bei diesen wird eine schützende Wirkung für die Nervenzellen vermutet, es ist aber kaum möglich, diese über konventionelle Methoden wie beispielsweise Injektionen oder Tabletten an den Ort des Geschehens zu bringen.

Einleitung

Die folgenden Abschnitte stellen einen Versuch dar, einen Einblick in den Stand der Therapieentwicklung gegen ALS zu vermitteln und eine Reihe von Themenbereichen im Zusammenhang der ALS-Therapieforschung zu umreißen. Angesichts der Komplexität des Themas sind Vereinfachungen dabei unumgänglich. Sie wurden auch nicht von einem Wissenschaftler, sondern von einem Betroffenen (Dirk Peters) verfasst und sind entsprechend subjektiv gefärbt. Korrekturen und Anregung von kundiger Stelle sind ausdrücklich erwünscht.

Genomanalyse

Etwa 10 % aller ALS-Patienten leiden an der so genannten "familiären Form" der Krankheit. Das bedeutet, dass mehrere Familienmitglieder oder Vorfahren ALS haben oder hatten. Dennoch kann ALS nicht als Erbkrankheit in dem Sinne verstanden werden, dass ein einzelner Gendefekt für die Krankheit verantwortlich ist.

Die DNA-Analyse ist in den letzten Jahren deutlich einfacher und preiswerter geworden. Das hat dazu geführt, dass einige Genmutationen identifiziert wurden, die gehäuft bei ALS-Patienten auftreten, so dass davon ausgegangen werden kann, dass sie bei der Krankheitsentwicklung eine Rolle spielen. Einige Gene gelten als Verursacher von ALS, andere als Risikofaktoren. Auch wenn die Zusammenhänge der Genmutation und der damit verbundenen Proteine mit den Krankheitsverlauf nach wie vor ungeklärt sind, hat die Entdeckung der Genmutationen zu einem deutlichen Schub in der Forschung geführt.

Denn Gene sind Baupläne für Proteine und damit birgt jedes identifizierte Gen einen Hinweis auf fehlgeleitete zelluläre Prozesse. 1993 wurde das erste ALS verursachende Gen entdeckt. Es ist die Schablone für ein Enzym namens "Superoxid Dismutase" (SOD), bei gesunden Menschen verantwortlich für den Aufbau von oxidativem Stress in den Nervenzellen.

Nach der Entdeckung des SOD-Gens passierte 13 Jahre lang nichts auf diesem Feld, doch seit 2006 geht es Schlag auf Schlag. Mit der Entdeckung des FUS Gens im Februar 2009 wurden erstmals zwei mit ALS assoziierte Gene innerhalb von 12 Monaten identifiziert.

Die Entdeckung der Zusammenhänge zwischen den Genmutationen und ALS ist für die Forschung ein offenes Buch, das noch lange nicht gelesen und ausgewertet ist.

Placebo und Nocebo

Für die althergebrachte Medizin ist der Placebo-Effekt eine Störgröße. Ein lästiges Etwas, das bei der Beuteilung der Effektivität berücksichtigt werden muss, sonst aber nicht viel Beachtung verdient.
Aufgeschlossenere Zeitgenossen - auch in der Wissenschaft - sehen den Placebo-Effekt inzwischen in einem anderen Licht. Sie sehen hier die Fähigkeit von Menschen, mittels geistiger Prozesse wie Glaube und Hoffnung Heilungsprozesse positiv beeinflussen zu können und damit ein großes Potenzial von Selbstheilungskräften freizulegen. Was dabei genau passiert, ist weit gehend unverstanden. Aber der Effekt ist so stark, dass nach wie vor immer wieder mit hohem Aufwand entwickelte Medikamente und Therapien scheitern, weil ihr Effekt in Studien "unter Placebo" liegt. Insofern ist die Placebo-Forschung ein relativ neues und ausgesprochen spannendes Forschungsfeld, weil hier endlich versucht wird, Wege für einen produktiven Nutzung der Placebo-Effekte freizulegen.

Leider hat der Placeboeffekt auch einen negativen Gegenpol, seit einiger Zeit Nocebo-Effekt genannt. Hier steht nicht die Erwartung von Heilung, sondern die Angst vor Erkrankungen im Vordergrund. Der Nocebo-Effekt tritt beispielsweise häufig beim Lesen der Nebenwirkungen auf einem Medikamenten-Beipackzettel auf. Berichtet wird aber auch von einem Leberkrebs-Patienten, dem ein starkes Wachstum seines Tumors und somit der Tod innerhalb weniger Wochen prognostiziert wurde. Nachdem dieser Patient tatsächlich verstarb, ergab die Obduktion, dass der Tumor wider Erwarten nicht gewachsen war und in dieser Größe auch nicht ursächlich für den Tod gewesen sein kann.

Die Prognose, mit der ALS-Patienten konfrontiert werden, gehört zur Nocebo-Kategorie erster Güte. Keine Hoffnung auf Besserung, die Gewissheit der Verschlimmerung, die extrem hohe Wahrscheinlichkeit, innerhalb weniger Jahre zu sterben. Die Hoffnung auf Heilung: aus "rationaler" Sicht reine Traumtänzerei. Wenn also schon die Kenntnisnahme relativ unwahrscheinlicher Nebenwirkungen auf einem Beipackzettel Symptome auslöst, wie groß ist dann der Nocebo-Effekt angesichts einer solchen Situation? Leider ist es so gut wie unmöglich, diese Frage wissenschaftlich angemessen zu beantworten. Denn dafür würde ja eine Gruppe ALS-Patienten benötigt, die von ihrer Krankheit nichts wissen und trotzdem beobachtet werden.

Die Nocebo-Forschung steckt in den Kinderschuhen. Für ALS-Patienten besteht im Moment nur die Möglichkeit, sich sehr bewusst mit dem Nocebo der Krankheitsprognose auseinanderzusetzen und einen eigenen Weg zu suchen, dessen Wirkung zu minimieren.

 Eine Video Dokumentation über die Placebos/Nocebo Problematik (in Englisch) gibt es hier.

Zebrafische und transgene Mäuse: Tierversuche

Kein schönes Thema. Besonders für Tierfreunde nicht. Das Tierversuche für eine ALS-Therapieentwicklung unverzichtbar sind, ist aber in der Wissenschaft unstrittig. Das wichtigste Versuchstier in der ALS-Forschung ist die Maus, genauer gesagt das "SOD G93A Mausmodell". Auch wenn diese Bezeichnung etwas anderes vermuten lässt, handelt es sich um lebendige Tiere und nicht um einen Apparat. Diese Mäuse werden genmanipuliert, so dass sie eine Krankheit entwickeln, die "modellhaft" der ALS bei Menschen entspricht. Tausende dieser "Modellmäuse" werden in Labors rund um die Welt mit den unterschiedlichsten Therapien "behandelt". Zeigen sich positive Wirkungen, ist diese Therapieform ein Kandidat für klinische Tests an Menschen. Mäuse sind unter anderem deshalb so beliebt bei Wissenschaftlern, weil in ihnen wegen ihrer relativ kurzen Lebenserwartung der Stoffwechsel und Krankheitsverlauf sehr schnell abläuft und somit auch Wirkungen sehr schnell sichtbar werden.
Neben Mäusen sind auch Ratten, Zebrafische und Fruchtfliegen im Einsatz. Die Nutzung von Hunden wird diskutiert, weil sie im Gegensatz zu den anderen Versuchstieren auch in der Natur eine ähnliche Krankheit wie ALS entwickeln und ihr Nervensystem näher an dem eines Menschen ist.

Stammzellen

Für jeden ALS-Patienten ist es eine wunderbare Vorstellung: Stammzellen werden in das Rückenmark injiziert, dort entwickeln sie sich zum Motorneuronzellen und nach und nach können alle Muskeln wieder bewegt werden. Tatsächlich könnte irgendwann eine Heilung auf diesem Wege möglich sein, aber selbst Stammzellen-Enthusiasten unter seriösen Wissenschaftlern räumen ein, dass es bis dahin noch ein sehr weiter Weg ist. Eher eine Sache von Jahrzehnten als von Jahren. Bisher funktioniert diese Methode nur in Computeranimationen.

Trotzdem können Stammzellen auch kurzfristig eine wichtige Rolle in der ALS-Therapie spielen. An der Harvard Universität gelang es 2008, aus Hautzellen einer ALS-Patientin Stammzellen und daraus wiederum Motorneuronzellen zu gewinnen. Dieser Erfolg wurde vom Time-Magazin zur größten wissenschaftlichen Leistung im Bereich Medizin 2008 erklärt. Eine Therapie mit diesen Zellen ist allerdings ausgeschlossen, weil die Reprogrammierung nur mithilfe einer gentechnischen Manipulation unter Einbeziehung von Krebsgenen gelungen ist. Das kurzfristige Ziel der Wissenschaftler in Harvard ist aber noch ein anderes: die Entwicklung der Motorneuronzellen aus der Haut von ALS Patienten in Zellkulturen sollen mit denen gesunder Patienten verglichen werden, um so Erkenntnisse über die Entwicklung der Krankheit zu gewinnen. Der Ansicht vieler Wissenschaftler, dass die Motorneuronzellen nicht der Ausgangspunkt der Krankheit sind, wird dieser Ansatz allerdings nicht gerecht.

Erfreulich ist, dass immer häufiger so genannte "induzierte pluripotende Stammzellen" zum Einsatz kommen. Diese Zellen werden - wie oben beschrieben - aus Körperzellen gezüchtet, die ihren Patienten selbst entnommen werden. Damit kann auf den Einsatz von ethisch und medizinisch bedenklichen embryonalen Stammzellen zunehmend verzichtet werden. Derzeit wird intensiv und erfolgreich daran gearbeitet, bei diesem Prozess auf Genmanipulation und speziell den Einsatz von Krebsgenen zu verzichten. Allerdings sind vor einem Einsatz derartiger Zellen für die Therapie noch sehr viele Risiken - speziell der Tumorbildung - auszuschließen.

Seit Jahren gibt es in verschiedenen Teilen der Welt - unter anderem auch in Köln und Düsseldorf - Kliniken, die Stammzellentherapien auch gegen ALS anbieten. Die meisten Stammzellenforscher halten dies für reine Geschäftemacherei. 2007 gab es zu diesem Thema einen sehr informativen Bericht von Kristin Raabe im Deutschlandradio.

Viele ALS-Patienten speziell in den USA stecken viel Hoffnung in den Ansatz der Firma Neuralstem. Deren Methode beruht auf embryonalen Stammzellen, ist patentiert und teilweise geheim, allerdings arbeitet sie im Gegensatz zu den oben angesprochenen Kliniken auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Sie weichen auch nicht in Länder mit weichen gesetzlichen Regelungen aus, sondern streben eine offizielle Zulassung in den USA an. Der Beginn der dafür notwendigen klinischen Studien mit ALS-Patienten ist für den Sommer 2009 angekündigt worden.

Klinische Studien

Weltweit laufen derzeit eine Reihe von klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Medikamenten bei ALS ermitteln sollen. Bei keinem dieser Medikamente wird eine Heilung in dem Sinne erwartet, dass sich bereits aufgetretene Lähmungen zurück entwickeln. Die Hoffnung liegt darauf, mit ihnen den Krankheitsverlauf deutlich zu verzögern oder gar zu stoppen.

Die Teilnahme an einer Studie ist für ALS-Patienten eine Möglichkeit, frühzeitig von einem neu entwickelten Medikament zu profitieren. Natürlich ist die Einnahme eines wenig erprobten Medikamentes immer ein Risiko. Außerdem haben sich Studienteilnehmer häufigen Untersuchungen zu unterziehen - in der Regel alle 4-6 Wochen. Das ist natürlich für Patienten, bei denen die Krankheit schon fortgeschritten ist und die nicht in unmittelbarer Nähe eines ALS-Zentrums wohnen, eine erhebliche Belastung.

Wie fast alle klinischen Studien werden auch potentielle ALS-Therapien als "randomisierte Doppelblindstudie" durchgeführt. Das bedeutet: nur die Hälfte der Teilnehmer bekommt das zu testende Medikament, die andere Hälfte ein unwirksames "Placebo". (Siehe auch: Placebo und Nocebo) Viele ALS-Patienten (unter ihnen auch ich) empfinden diese Vorgehensweise bei einer Krankheit wie ALS als ärgerlich, unwürdig und systematisch sinnlos.

Auch insgesamt muss der Erkenntnisgewinn einer klinischen Studie kritisch betrachtet werden. Es gibt bei ALS keinen "Biomarker ", also einen klar definierten Messwert, mit dem das fortschreiten der Krankheit beschrieben werden kann.

 

Eine aktuelle Übersicht über laufende klinischen Studien weltweit gibt es auf der Seite von ALSTDI: http://www.als.net/Research/ClinicalTrials/

Grundlagenforschung - neue Teile für das Puzzle

Nach wie vor sind sowohl die Ursachen wie auch die kausalen Abläufe der Krankheit ALS unverstanden. Fest steht, dass es sich um eine komplexe systemische Erkrankung handelt. Das bedeutet, dass die Erkrankung nicht einer bestimmten Stelle im Körper zugeordnet werden kann und dass verschiedene Zelltypen beteiligt sind. Lange Zeit konzentrierte sich die Forschung auf die Motorneuronzellen, aktuell sehen viele Forscher als Ausgangspunkt eher die Verbindungsstellen zwischen Nervenstrang und Muskeln. Immun- und Entzündungsprozesse gehören zu den Begleiterscheinungen der Krankheit, auch eine Virusinfektion wird diskutiert. Genveränderungen spielen eine Rolle, aber wohl nicht als einzige Ursache.  Einfach ausgedrückt: die bisherigen Forschungen haben sehr viele Unterschiede in den zellulären Prozessen von ALS-Patienten im Vergleich zu gesunden Menschen herausgefunden. Forscher sprechen von einer "neurotoxischen Kaskade". Unklar ist aber nach wie vor der Ursache-Wirkung Zusammenhang zwischen diesen Abweichungen. Um einen effektiven Ansatz für eine Therapie zu finden ist diese Klärung aber entscheidend. Zur Veranschaulichung: wenn ein Auto eine Beule im Kotflügel hat und infolgedessen das Blech am Reifen schleift, wird der Reifen irgendwann platzen und es kommt zum Unfall. In diesem Fall nützt es nichts, den Reifen zu wechseln ohne den Blechschaden zu beseitigen. Bei der ALS-Forschung sprechen viele Wissenschaftler von einem Puzzle, bei dem schon viele Teile gefunden sind, das Gesamtbild aber noch nicht zu erkennen ist.

Für eine Therapie, die den Krankheitsverlauf bei ALS verzögert oder stoppt, ist es aber nicht unbedingt erforderlich, die Ursache und den Verlauf genau zu kennen. Viele Forschungsansätze zielen darauf ab, die betroffenen Nervenzellen vor den schädlichen Einflüssen, die im Verlauf einer ALS-Erkrankung auftreten, zu schützen. ("Neuroprotektion“). In diesem Bereich sind auch kurzfristige Erfolge möglich.